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Filmtipps des Monats Juni 2026

Datum:
12. Juni 2026
Von:
Matthias Ganter / Jürgen Pach

In der aktuellen Ausgabe der > Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln finden Sie monatlich vier Filmtipps der Medienzentrale, die wir Ihnen wärmstens empfehlen möchten. Zwei der besprochenen Filme stehen zeitlich begrenzt in der angegebenen frei zugänglichen Mediathek zur direkten Sichtung zur Verfügung. Viele der empfohlenen Filme stehen auch im > Downloadangebot der Medienzentrale bereit: Sie können diese Filme (inkl. Lizenz zur nichtgewerblichen öffentlichen Vorführung!) nach Registrierung zu den > Nutzungsbedingungen der > Medienzentrale herunterladen.

Eine Stimme gegen Missbrauch

Bayern 1962: Die zwölfjährige Karla erscheint zu später Stunde in einem Münchener Polizeirevier und besteht darauf, einen Richter zu sprechen. Sie möchte ihren Vater anzeigen und beruft sich auf den Paragrafen 176 des Strafgesetzbuches. Sie hat in der Bibliothek davon gelesen. In § 176 geht es um sexuellen Missbrauch von Kindern. Vom Richter Lamy befragt, kann sie keine weiteren Informationen hierzu liefern. Das ihr Widerfahrene lässt sich nicht in Worte fassen, allein der Gedanke daran bringt ihr Übelkeit und Erbrechen. Doch ohne die Schilderung der Taten sieht der Richter kaum eine Chance, eine Anklage zu formulieren. Ganz allmählich finden die Beiden mit Hilfe einer Stimmgabel einen Weg, über das Unaussprechliche miteinander zu sprechen.

Der auf einer wahren Geschichte basierende Film thematisiert in ruhigen Bildern schreckliche Taten, ohne die widerlichen Verbrechen zu zeigen. Die verheerende Wirkung ist ohnehin jederzeit spürbar. Karla, herausragend gespielt von Elise Krieps, findet den Mut und einen Weg für sich selbst einzustehen, während ihre Familie und die Gesellschaft wegsehen.

Karla. 2025. eksystent Filmverleih. 104 Minuten. FSK: 12. Altersempfehlung: ab 14 Jahren. Um 17 Euro

Blick zurück im Schmerz

Der fast 60 Jahre alte Filmregisseur Salvador Mallo leidet unter mehreren Krankheiten, wodurch er seiner Passion, dem Filmemachen, nicht mehr nachkommen kann. In der Zeit des kulturellen Aufbruchs nach der Franco-Ära war er ein Vorreiter des jungen spanischen Kinos gewesen und provozierte gern mit dem offenen Bekenntnis zur Homosexualität. Doch seit 1986, als er sich bei den Dreharbeiten mit seinem Hauptdarsteller, Alberto Crespo, zerstritten hatte, dreht er keine Filme mehr. Als Mallo zu einer Aufführung einer digital restaurierten Fassung seines 32 Jahre alten Films „Sabor“ eingeladen wird, setzt er sich zwangsläufig mit seiner Vergangenheit auseinander. Er ist gewillt sich mit Crespo zu versöhnen und trifft seinen damaligen Liebhaber wieder. Seine große Liebe führt mittlerweile ein biederes heterosexuelles Familienleben. „Leid und Herrlichkeit“ erzählt in mehreren Rückblenden von seiner Kindheit in einem kleinen Dorf, von der bewegten Zeit nach dem Ende der Diktatur bis zur Gegenwart, in der er aus seiner Existenzkrise auszubrechen versucht.

Der autobiografisch inspirierte Film überzeugt in leiser Melancholie mit den hervorragenden Hauptdarstellern Penélope Cruz und Antonio Banderas.                                                                                                                                     

Leid und Herrlichkeit. 2019. Studiocanal. 114 Minuten. FSK: 6. Altersempfehlung: ab 16. In der Arte-Mediathek bis 06.08.2026

Gestern war heute morgen

Frankreich 1958: Hélène, Michel und ihre Kinder Jeanne und Lucien sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Michel verabschiedet sich morgens mit Aktentasche zur Arbeit während Hélène mit Hingabe Kinder und Häuschen betreut. Risse zeigt die Idylle, weil Michel mit seiner traditionellen Weltsicht immer weniger Erfolg im sich wandelnden Bankgeschäft vorweisen kann.

Die Katastrophe tischt aber Tochter Jeanne auf: Sie ist schwanger, Vater ist der Nachbarssohn André. Für beide Familien die einzige Lösung: Die zwei müssen heiraten. Doch Jeanne ist damit alles andere als glücklich. In den schwelenden Konflikt platzt eine Waschmaschine, die Hélène im Preisausschreiben gewonnen hat und die Michel zu Geld machen will. Im Streit um das Gerät lösen beide einen Kurzschluss aus und finden sich im Jahr 2025 wieder.

Hélène arbeitet nun in derselben Bank wie zuvor ihr Mann, aber als Chefin. Michel dagegen muss sich als Hausmann im Smart-Home zurechtfinden. Tochter Jeanne freut sich auf ihre Hochzeit, allerdings nicht mit André sondern mit ihrer algerischstämmigen Freundin Safia. Überfordert versuchen Michel und Hélène, zurück ins Jahr 1958 zu fliehen, aber Zeitreisen sind nicht so einfach wie in den konsultierten Spielfilmen à la „Zurück in die Zukunft“. Und vor allem Hélène lernt die neue Freiheit auch zu schätzen.

Die unterhaltsame Satire lässt traditionelle Geschlechterrollen alt aussehen, teilt aber auch gegen unsere heutige Leistungs- und Überflussgesellschaft aus.

Die progressiven Nostalgiker. 2025. Neue Visionen. 103 Minuten. FSK: 6. Altersempfehlung: ab 14. DVD um 13 Euro

Ganz anders als erwartet

Die Ferienpläne der zwölfjährigen Martha und ihrer kleinen Brüder Mikkel und Mats werden durch den Unfall der Mutter kurz vor ihrem Rückflug aus New York nach Stuttgart durchkreuzt. Papa muss zu Mama reisen, Martha, Mikkel und Mats sollen bei ihrer Oma in Schleswig-Holstein unterkommen.

Oma Inge gilt als „speziell“ und hat seit Jahren keinen Kontakt mit ihrer Tochter. Für die Enkelkinder ist sie eine Fremde, die sie denkbar abweisend mit einem Luftgewehr begrüßt. Zudem liegt Omas Grundstück mit reetgedecktem Haus an der Schlei so isoliert, dass es dort weder Internet noch Telefon gibt. Die Stadtkinder halten zusammen und entdecken bald auch freundliche Seiten ihrer Oma wie auch die Reize der analogen Welt, in der der einzige Weg in die Zivilisation mit dem Boot über den Fjord führt. Sie freunden sich mit anderen Kindern an, Martha zum Beispiel mit dem gleichaltrigen Enes.

Für Spannung sorgen die dreisten und zunehmend bedrohlichen Versuche eines Maklers, Oma Inge zum Verkauf ihres Grundstücks zu bewegen, damit dort ein Einkaufszentrum gebaut werden kann. Martha will ihm zusammen mit Enes das Handwerk legen, und alle erleben ein echtes Abenteuer.

Die filmische Adaption des gleichnamigen ersten Romans aus der Sommerby-Reihe von Kirsten Boie wirkt wie ein Kurzurlaub für die ganze Familie.

Ein Sommer in Sommerby. 2025. SWR/Wüste Film. 74 Minuten. FSK: 0. Altersempfehlung: ab 8. In der ARD-Mediathek bis 01.01.2034