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Filmtipps der Monate Oktober und November 2026

Datum:
30. Okt. 2026
Von:
Matthias Ganter / Jürgen Pach

In der aktuellen Ausgabe der > Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln finden Sie monatlich vier Filmtipps der Medienzentrale, die wir Ihnen wärmstens empfehlen möchten. Zwei der besprochenen Filme stehen zeitlich begrenzt in der angegebenen frei zugänglichen Mediathek zur direkten Sichtung zur Verfügung. Viele der empfohlenen Filme stehen auch im > Downloadangebot der Medienzentrale bereit: Sie können diese Filme (inkl. Lizenz zur nichtgewerblichen öffentlichen Vorführung!) nach Registrierung zu den > Nutzungsbedingungen der > Medienzentrale herunterladen.

Zwischen Goldrausch und Emanzipation

In der im Norden Chiles gelegenen Atacama-Wüste betreibt Pacifico illegal zwei Minen. Jeden Morgen fährt er mit seiner 16-jährigen Tochter Carla in seinem alten Pick-up zu einer Kreuzung in der Wüste. Dort sammeln sie Tagelöhner ein, die in einer der Minen nach Kupfer schürfen. Während die Männer im Stollen schuften, bereitet Carla das Mittagessen vor und träumt davon, am Meer zu wohnen und zur Schule zu gehen. Um sich diesen Traum erfüllen zu können, graben Vater und Tochter heimlich in der zweiten Mine nach Gold. Einer der Arbeiter – Humberto – schöpft Verdacht und folgt den beiden. In der Mine kommt es zwischen den Männern zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Humberto erschossen und Pacifico angeschossen wird. Humbertos Leiche wird im Stollen versteckt, und Carla vertritt fortan ihren verletzten Vater. Nach einigen Tagen formiert sich Widerstand gegen die neue Chefin, und ein Verwandter Humbertos beginnt, Nachforschungen über den Verschwundenen anzustellen.

Das Drama im Stil eines Neo-Westerns fesselt mit Carlas Emanzipation in einer von ausgeprägtem Machismo geprägten Kultur, beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und herausragenden schauspielerischen Leistungen.

                

Bitter Gold. RCH/UY/MEX/D 2024. JIP Film und Verleih. 83 Minuten. FSK: 12. Altersempfehlung: ab 15 Jahren.                                                                                                                                          

Den Problemen davonfahren

Die dreißigjährige Les ist Fahrradkurierin in Hamburg und hat reichlich Probleme: Sie befindet sich in einer Midlife-Crisis, ist zwar lesbisch, jedoch ungewollt von Tyler, einem Kollegen, schwanger. Da sie Tyler weder die Vaterrolle zutraut noch ihrer Freundin Roya ein Leben zu dritt aufzwingen möchte, denkt sie über einen Schwangerschaftsabbruch nach. Unerwartet steht auch noch ihr Vater Bert vor der Tür. Obwohl dieser beteuert, nicht lange bleiben zu wollen, mischt er sich gehörig in das Leben seiner Tochter ein. Als sich Les bei einer Kurierfahrt verletzt, übernimmt er kurzerhand ihre Botengänge. Bert rast für sie durch die Straßen Hamburgs, bis er im Foyer eines Kunden mit einem epileptischen Anfall zusammenbricht. Dahinter steckt ein wahrscheinlich unheilbarer Hirntumor, der auch der Grund für seinen Besuch bei seiner Tochter war.

Der Film über eine konfliktreiche Vater-Tochter-Beziehung (Christoph Maria Herbst und Mala Emde, die auch in Köln 75 zu sehen ist, Filmtipp November 2025) ist witzig-lakonisch und bietet angenehme Fernsehunterhaltung.

Sommer auf Asphalt. D 2026. Wüste Medien. 92 Minuten. FSK: 12. Altersempfehlung: ab 14. In der ARD-Mediathek bis 21.10.2027

Es geht um die Würde

Der Fall Nevenka (Spielfilm, E 2024, Regie: Icíar Bollaín)

Mit 24 Jahren wird Nevenka Fernández Ende der 1990er Jahre Finanzstadträtin ihrer nordspanischen Heimatstadt Ponferrado. Vom populären und weit über die Stadt hinaus einflussreichen Bürgermeister Ismail Álvarez wird sie gefördert aber nach einiger Zeit zunehmend sexuell bedrängt, belästigt und schließlich in die Depression getrieben. Ihre Lage erscheint ausweglos, da sie als Frau kaum Chancen sieht, in der patriarchal geprägten Gesellschaft Unterstützung zu finden und ein Skandal auch die Existenz ihrer Eltern gefährden würde. Nevenka zieht zu ihrem Freund nach Madrid und wagt es, mit Unterstützung eines engagierten Anwalts juristisch gegen Ismael Álvarez vorzugehen. Gegen große Widerstände erkämpft sie die Verurteilung des Bürgermeisters, der seine Karriere beenden muss.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten: Für Spanien bedeutete der Fall Nevenka einen Wendepunkt im Umgang mit sexueller Belästigung. Die reale Nevenka Fernández stieß dennoch bei der großen Mehrheit der lokalen Bevölkerung auf Ablehnung, fand in Spanien keine Anstellung und verließ das Land. Auch zwei Jahrzehnte später verweigerte die erneut von Álvarez‘ Volkspartei regierte Stadtverwaltung der bekannten Regisseurin Icíar Bollaín die Drehgenehmigung für ihren Film an Originalschauplätzen.

Der Fall Nevenka. E 2024. Epicentre Films. 111 Minuten. Altersempfehlung: ab 16. In der Arte-Mediathek bis 07.11.2026

Im Fahrstuhl durch die Zeit

Der zwölfjährige Karli ist gar nicht begeistert, die Sommerferien mit der Renovierung des alten Hotels zu verbringen, das seine Eltern gekauft haben. Doch das Haus in den österreichischen Alpen hält das Abenteuer seines Lebens bereit: Als der alte Aufzug in einem Stockwerk hält, auf dem er livrierten Pagen und altmodisch gekleideten Gästen begegnet, stellt Karli fest, dass er sich in einer anderen Zeit befindet, nämlich im Jahr 1938.

So erleichtert er ist, mit dem Fahrstuhl wieder in seine Zeit zurückkehren zu können, so interessiert reist er immer öfter in die Vergangenheit, wo er in der Jüdin Hannah und dem Schuhputzer Georg zwei gleichaltrige Freunde findet. Als Georg verdächtigt wird, eine große Geldsumme gestohlen zu haben, werden Hannah und Karli detektivisch tätig.

Parallel sucht Karli während seiner Aufenthalte in „seiner“ Zeit nach Informationen über das Jahr 1938, nicht zuletzt um zu verstehen, warum Hannah und ihr Vater von der Familie eines hochrangigen Nationalsozialisten so herabwürdigend behandelt werden. Nach und nach erfährt er mehr über den Nationalsozialismus und registriert spät, in welcher Gefahr sich Hannah und ihr Vater befinden.

Der Film bringt Kindern im Rahmen einer Abenteuergeschichte die Situation von Minderheiten während der NS-Verfolgung nahe und sensibilisiert für die Gefahren des heute erstarkenden Rechtsextremismus.

Das geheime Stockwerk. D/A/L 2025. farbfilm verleih. 95 Minuten. FSK: 6. Altersempfehlung: ab 10 Jahren.