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Filmtipps der Monate Juli und August 2026

Datum:
24. Juli 2026
Von:
Matthias Ganter / Jürgen Pach

In der aktuellen Ausgabe der > Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln finden Sie monatlich vier Filmtipps der Medienzentrale, die wir Ihnen wärmstens empfehlen möchten. Zwei der besprochenen Filme stehen zeitlich begrenzt in der angegebenen frei zugänglichen Mediathek zur direkten Sichtung zur Verfügung. Viele der empfohlenen Filme stehen auch im > Downloadangebot der Medienzentrale bereit: Sie können diese Filme (inkl. Lizenz zur nichtgewerblichen öffentlichen Vorführung!) nach Registrierung zu den > Nutzungsbedingungen der > Medienzentrale herunterladen.

Wir sind, was wir tun

Irena Gut, eine junge polnische Krankenschwester, wird nach dem Einmarsch der Nazis 1939 ihrer Familie entrissen. Sie soll fortan dem Wehrmachtsmajor Eduard Rügemer als Hauswirtschafterin dienen. Zu ihren Aufgaben gehört die Überwachung von Juden, die Wäscherei- und Näharbeiten erledigen. Als sie mitansehen muss, wie ein SS-Mann auf offener Straße eine Mutter und ihren Säugling ermordet, erkennt sie, in welcher Gefahr sich die Menschen befinden und beschließt zu handeln. Sie versteckt zwölf jüdische Arbeiter, die deportiert werden sollen, auf dem Anwesen des Majors. Wird ihr Versteck im Keller des Hauses entdeckt, droht allen der Tod. 

Der Film basiert auf den Memoiren von Irena Gut Opdyke (1922-2003), eine Ende der 40er Jahre nach Amerika ausgewanderten gläubigen Katholikin. Sie wurde, wie Emilie und Oskar Schindler, von Yad Vashem als eine „Gerechte unter den Völkern“ und von Papst Johannes Paul II. mit einem päpstlichen Segen geehrt. Im Gegensatz zu der sehr erfolgreichen Verfilmung der Lebensgeschichte Oskar Schindlers in „Schindlers Liste“, ist „Irenas Geheimnis“ weniger bekannt, weniger prominent besetzt und auch nie im Kino gelaufen. Und das völlig zu Unrecht!                                                                                                                                                                                      

Irenas Geheimnis. CDN/PL 2023. Pandastorm Pictures. 121 Minuten. FSK: 12. Altersempfehlung: ab 14 Jahren. Um 16 Euro

Kampf um Selbstbestimmung

Juditha und Erik sind seit über dreißig Jahren verheiratet. Trotz Judithas Erkrankung an Multipler Sklerose hatten sie bisher ein erfülltes Leben. Der Neu-Rentner Erik sehnt sich nach neuen Abenteuern und Freiräumen. Als gebürtiger Schwede bewirbt sich der Wahlhamburger auf eine Stelle in Malmö und beginnt ein Studium. Judithas Erkrankung schreitet schnell voran. Sie zieht sich in ihr Hamburger Haus zurück und hofft auf viel gemeinsame Zeit mit ihrem Mann. Die notwendiger werdende Pflege seiner Frau nimmt Eriks Zeit so in Anspruch, dass er sein Studium aufgeben muss. Die Weigerung Judithas, auch fremde Hilfe anzunehmen, stößt bei ihm auf Unverständnis. Von der Situation überfordert, flüchtet er zu seiner Tochter nach Malmö. Die unterschiedlichen Vorstellungen über den neuen Lebensabschnitt stürzen das Paar in eine große Ehe- und Sinnkrise. 
 
Das Liebesdrama gibt nicht wertend die Erwartungen und Sehnsüchte der beiden Ehepartner wieder. Es wirft existentielle Fragen auf: Steht der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben über der Fürsorgepflicht gegenüber einem geliebten Menschen? Wie kann man auf die Einschränkungen und aufkommenden Ängste, die der körperliche Verfall mit sich bringt, angemessen reagieren, ohne dass die Beziehung darunter leidet?                                                                                                                                                                                   
 
Ein großes Versprechen. D 2021. Filmperlen-Filmverleih. 89 Minuten. FSK: 12. Altersempfehlung: ab 14. In der ARD-Mediathek bis 11.11.2026

Geht Spitzengastronomie auch menschlich?

Die junge österreichische Köchin Agnes Karrasch hat eine Ausbildung im Wiener Drei-Sterne-Restaurant Steirereck absolviert und die Jugend-Kochweltmeisterschaft bei der Kochmesse Expogast gewonnen. In der Welt der Sterneküchen gilt sie trotzdem als Anfängerin und trifft in ihren Praktika auf Skepsis. Der Dokumentarfilm begleitet sie ohne Kommentar auf drei Stationen ihrer Lehrjahre und entwickelt dabei eine spielfilmtaugliche Dramatik.

In der Küche des Restaurants Vendôme in Bergisch Gladbach werden trotz freundlicher Atmosphäre die besonders für Frauen schwierigen Bedingungen des Berufs spürbar: lange Arbeitszeiten, ständiger Leistungsdruck und eine starre von Männern dominierte Hierarchie. Agnes Karrasch erarbeitet sich mit Können und Teamfähigkeit Respekt – auch im weltberühmten Disfrutar in Barcelona, obwohl hier die Sprachbarriere und vor allem die Corona-Pandemie querschießen.

Die Pandemie bringt sie schließlich in das wohl abgelegenste Sternerestaurant der Welt: das Koks auf den Färöern, wo keinerlei coronabedingte Einschränkungen nötig sind. Dort entdeckt Karrasch, dass Kochkunst auf höchstem Niveau auch anders geht: kollegial-freundschaftlich, naturnah, nachhaltig und in lebenswerter Work-Life-Balance.

Der Film bietet persönliche Einblicke in den spannungsreichen Weg einer begeisterten Köchin und provoziert die Frage, wie sich die Arbeitswelt der Spitzengastronomie in naher Zukunft entwickeln wird.

She Chef. D/A 2022. Camino Filmverleih. 105 Minuten. FSK: 0. Altersempfehlung: ab 14. DVD um 10 Euro

Eis und Moral

In Werlach-Bimsheim scheint die Welt noch in Ordnung – nicht zuletzt, weil die Gelateria „Felicità“ im malerischen Zentrum der fiktiven Kleinstadt „für jedes Problem das passende Eis“ bietet. Und weil die zehnjährige Lucy, deren Eltern die Eisdiele betreiben, wie ein guter Geist das Böse auszugleichen sucht, denn, so Lucy: „Sonst kippt die Welt um“.

Doch wie es das Drehbuch so will, passiert etwas, das das schöne Gleichgewicht zerstört: ein unbedacht abgelegter Schraubendreher rollt in die laufende Eismaschine… 

Ohne neues Eis fehlt Lucys Familie die Existenzgrundlage und der Stadtgesellschaft der soziale Kitt. So sieht die gute Lucy keine andere Lösung, als die 30.000 Euro für eine neue Eismaschine durch einen Banküberfall zu beschaffen. Da sie aber, wie die Leute sagen, „zu gut für diese Welt“ ist, geht sie einen Pakt mit dem Klassenrüpel Tristan ein: im Tausch gegen Nachhilfe für bessere Schulnoten soll er ihr das Bösewerden beibringen. Im Lauf der „Ausbildung“ ringen Lucys gutes und böses Selbst um die Vorherrschaft, und ihre Familie wie auch ihre tugendhafte Freundin Rima sehen die Veränderung mit Sorge. Wird Lucy tatsächlich zu „Lucyfer“ mutieren?

Der märchenhaft-quirlige Kinderfilm erzählt konsequent aus Lucys Perspektive von großen Themen wie Moral, Gut und Böse – kindgerecht, spannend und witzig!     

Lucy ist jetzt Gangster. D 2022. Wild Bunch Germany. 91 Minuten. FSK: 6. Altersempfehlung: ab 6. In der ARD-Mediathek bis 04.08.2026

> Zum Downloadangebot des Films bei der Medienzentrale