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Filmtipps des Monats Februar 2026

Datum:
30. Jan. 2026
Von:
Matthias Ganter / Jürgen Pach

In der aktuellen Ausgabe der > Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln finden Sie monatlich vier Filmtipps der Medienzentrale, die wir Ihnen wärmstens empfehlen möchten. Zwei der besprochenen Filme stehen zeitlich begrenzt in der angegebenen frei zugänglichen Mediathek zur direkten Sichtung zur Verfügung, zwei Filme sind  Viele der empfohlenen stehen auch im Downloadangebot der Medienzentrale zur Verfügung: Sie können diese Filme (inkl. Lizenz zur nichtgewerblichen öffentlichen Vorführung!) nach Registrierung zu den > Nutzungsbedingungen der > Medienzentrale herunterladen.

Eine fast intakte Familie

Tilda, Mitte 20, fährt mit dem Nahverkehr in 67 Minuten zur Uni. Ihre Familie ist zu 66,67 Prozent intakt. Wenn sie den Kopf freibekommen will, schwimmt sie im Freibad 22 Bahnen. Ihre Mutter hat ihr bereits 17-mal ver-sprochen, sich zu ändern. Tilda studiert Mathematik und strukturiert ihr Leben in Zahlen, jobbt nebenher im Supermarkt und kümmert sich um ihre kleine Halbschwester Ida und die alkoholkranke arbeitslose Mutter An-drea. Als Tilda die Chance auf eine Promotionsstelle in Berlin bekommt, könnte sich ihr Leben grundlegend ändern. Doch dafür müsste sie sich einmal selbst die Nächste sein. Dass ihre Mutter die Sucht in den Griff be-kommt bezweifelt sie. Die Zeit, Ida darauf vorzubereiten, künftig auf sich allein gestellt zu sein, ist zu knapp. Darüber hinaus taucht Viktor auf, mit dessen jüngerem Bruder Ivan sie in der Schulzeit viel gefeiert und Drogen eingeschmissen hat, bis es zu einem tragischen Verkehrsunfall kam.

Die Bestseller-Verfilmung des 2023 erschienen Romans von Caroline Wahl über Verantwortung, Freiheit und Schuld weiß vor allem durch die drei Hauptdarstellerinnen zu überzeugen. Dem Film gelingt trotz der Schwere der Themen eine lebensbejahende und heitere Atmosphäre.

 

22 Bahnen. Deutschland. 2025. LEONINE. 97 Minuten. Altersempfehlung: ab 14 Jahren. 

Unfall, Mord oder Selbstmord?

Anatomie eines Falls

Sandra ist eine erfolgreiche Autorin. Ihr turbulentes Familienleben bietet ihr genügend Stoff für aufregende Geschichten. Sie schreckt auch nicht davor zurück, das Manuskript ihres Manne Samuel für ihre eigenen Ideen zu nutzen. Dessen Schriftstellerkarriere ist arg ins Stocken geraten. Eine Affäre, die sie vor längerer Zeit mit einer Frau hatte, lastet immer noch schwer auf ihrer Ehe. So verwundert es nicht, dass Samuel beim Ausbau des Dachbodens derart laut Musik hört und damit das Interview, welches Sandra einer jungen Doktorandin gibt, schier unmöglich macht. Als Samuel eines Tages aus dem Dachbodenfenster stürzt und ums Leben kommt, muss das Gericht entscheiden, ob es sich hierbei um einen tragischen Unfall, um Selbstmord oder Mord handelt. Im Laufe des Prozesses wird eine gescheiterte Ehe seziert, zu der auch der elfjährige Sohn Daniel im Zeugenstand befragt wird. Letztendlich dreht sich alles um die Frage, ob seine Mutter eine Mörderin ist.

Das Beziehungsdrama erhielt die Goldene Palme in Cannes, den Europäischen Filmpreis, zwei Golden Globes und einen Oscar für das beste Drehbuch. Es besticht durch fabelhafte Darsteller/innen und philosophischen Tiefgang.

 

Anatomie eines Falls. Deutschland. 2023. Plaion Pictures. 151 Minuten. Altersempfehlung: ab 16 Jahren . In der ARD-Mediathek bis 26.03.2026.

In den Fängen des totalitären Regimes

Die Saat des heiligen Feigenbaum

Der iranische Jurist Iman ist seinem großen Ziel sehr nah: Er wird Ermittlungsrichter am Revolutionsgericht und hat Aussicht auf eine Richterstelle, die auch seiner vierköpfigen Familie finanzielle Vorteile brächte. Doch schnell bekommt er die Schattenseiten zu spüren. Von ihm wird verlangt, Todesurteile ohne Prüfung zu unter-schreiben. Die Situation spitzt sich weiter zu, es ist die Zeit der durch den gewaltsamen Tod Jina Mahsa Aminis 2022 ausgelösten Proteste und deren brutaler Niederschlagung durch das iranische Regime. Iman bleibt die-sem Regime trotz ernster moralischer Bedenken treu. Seine Töchter konfrontieren ihre Eltern mit schockieren-den Nachrichten aus dem Internet und deren Diskrepanz zur Darstellung des Staatsfernsehens. Im Zentrum der Handlung aber steht Najmeh, die Ehefrau und Mutter. Sie hält zu Beginn fest zu ihrem Mann und ist von der Rechtmäßigkeit des Systems überzeugt. Mit dem Einbruch der staatlichen Gewalt in die Familie mehren sich ihre Zweifel. Als Iman nach dem Verschwinden seiner Dienstwaffe seiner Familie immer stärker misstraut, sieht sie sich gezwungen, ihre Töchter vor ihrem sich zunehmend tyrannisch verhaltenden Mann zu beschützen. Mo-hammad Rasulofs heimlich gedrehter Film bringt den eskalierenden staatlichen Gewaltmissbrauch in Iran ein-dringlich aus der Perspektive einer privilegierten Kleinfamilie auf die Leinwand.

Die Saat des heiligen Feigenbaums.  Iran, Deutschland, Frankreich. 2024. Alamode Filmverleih. 168 Minuten. 

Expedition in fremde Welten

Grüße vom Mars

Die Geschwister Tom, Nina und Elmar sollen vier Wochen bei den Großeltern auf dem Land verbringen. Das stellt vor allem den zehnjährigen Tom vor eine riesige Hürde. Als Autist tut er sich mit Veränderungen schwer, und Omas und Opas Welt unterscheidet sich krass von seinem minutiös geordneten Leben in Hamburg. Aber da die Mutter der drei beruflich verreisen muss und Tom davon träumt, als Astronaut zum Mars zu fliegen, könnte die Notlösung vielleicht zur Trainingsmission auf dem Planeten Lunau werden. Tom ist mit Logbuch und Astro-nautenanzug startklar. Direkt nach der Landung beginnen die Komplikationen: Die Haustür ist rot, und diese Farbe erträgt Tom gar nicht, der Esstisch ist rund, und Oma sagt gleich zu Beginn „Hier gibt‘s keine Regeln“. Die jugendliche Nina kann ohne Internet nicht mit ihrem Freund chatten. Doch nach dem abenteuerlustigen Elmar entdecken auch die Anderen Vorteile an der fremden Welt: Am ungewohnt klaren Sternenhimmel kann Tom mit dem Teleskop seines verstorbenen Vaters nach einem verschwundenen Asteroiden suchen. Nina er-kennt ohne Handy, wer wirklich der Richtige sein könnte, und Elmar interessiert sich sogar für Mathe. Alle wachsen über sich hinaus und zum echten Team zusammen. Der unterhaltsame Film sensibilisiert witzig und respektvoll für verschiedene Wahrnehmungen.

 

Grüße vom Mars. Deutschland. 2024. Farbfilm. 82 Minuten. FSK: 6.  Altersempfehlung: ab 8 Jahren.