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CEEC, Die digitale Handschriftenbibliothek Köln

Aus dem 9. Jahrhundert ins Internet

Artikel über das Projekt "CEEC" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 15.05.01
(Autor: Rüdiger Abele)

Abb. aus dem Hillinus-Codex (Dom Hs. 12), Seite 163r +++ Eine  Vergrößerung erhalten Sie durch Mausklick! +++Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis / Alte Handschriften werden aufwendig gescannt

Der Kölner Erzbischof Hildebold lebte ohne Computer. Nun ja - was sollte er zu Beginn des 9 Jahrhunderts auch rnachen Damals, vor 1200 Jahren, ließ er prunkvolle Handschriften mit feiner Feder schreiben. Wenn man ihm gesagt hätte, daß diese eines Tages mit dem Scanner abgetastet werden, hätte er das im lindesten Fall als wirre Idee abgetan. Doch der Tag ist gekommen: Mit Hilfe der Elektronik erfaßt die Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek (DDB) in Köln im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der dortigen Universität alle vorhandenen Handschriften, um sie im Internet jedermann zugänglich zu machen. Die DDB besitzt 366 Bücher aus zusammengenähten Pergamentblättern, was die Fachwelt Kodex nennt; sie wurden zwischen dem 6. und dem 16. Jahrhundert geschrieben. So trägt das Projekt einen ehrwürdigen Namen: Codices Electonici Ecclesiae Coloniensis. Sage einer, Latein sei eine tote Sprache.

Das Projekt wurde im wesentlichen aus zwei Gründen geboren: Zum einen sind die Handschriften wie alle anderen historischen Kunstwerke dem Zahn der Zei und damit dem Velfall ausgesetzt, der unter den optimalen Lagerbedingungen der Bibliothek zwar verlangsamt,nicht aber gestopptt werden kann – digitalisiert kann ihnen - zumindest was den Inhalt des Textes betrifft - eine aggressive Umwelt nichts anhaben. Der zweite Grund liegt in der wissenschaftlichen Nutzung der Handschriften.Mussten bisher historiker nach Köln reisen, um sie einzusehen - sie werden verständlicherweise nicht entliehen -. so können in Zukunft alle Interessenten über das Internet per Mausklick auf die Seiten zugreifen.

Dadurch erhofft man sich eine breitere Nutzung der wertvollen Kunstwerke, ohne diese zu gefährden. Kostprobe gefällig? Unter www.ceec.uni-koeln.de kann man durch die ersten Ergebnisse stöbern und zwischen den Seiten blättern wie in einem Folianten. Manch einer wird beim Blick auf die dargestellten Pergamente rasch die Grenzen der eigenen Sprachfähigkeit erkennen. Die Schrift ist klar erkennbar, doch selbst wenn man fließend Latein parliert, erschließt sich ihr Sinn frühestens auf dem zweiten Blick. Meist sind es kirchliche Texte, zum Beispiel Evangeliare, Psalmen oder Chroniken kirchlicher Einrichtungen.

Die 366 Kodizes der Bibliothek enthalten insgesamt 130 000 Seiten, die in den nächsten vier Jahren digitalisiert werden sollen. Ziel ist, die Texte nicht nur in einem möglichst leserlichen Zustand wiederzugeben, sondern auch Randbemerkungen, Zusätze und, soweit möglich, auch die Papierstruktur abzubilden. Um die Werke nicht zu beschädigen, muß das Abtasten der Seiten möglichst schonend erfolgen. Das schließt den Einsatz eines herkommlichen Flachbettscanners aus, weil die Bücher dazu aufgeschlagen und auf die Glasflache gepreßt werden müßten. Verwendet wird eine digitale Kamera, eine Jenoptik ProgRes 3012, weiche die notwendige Auflösung über ein scannendes Verfahren erreicht: Die Seiten werden nicht mit einer, sondern über eine Vielzahl voll Aufnahmen erfaßt; damit werden mehr Details aufgenommen und selbst kleine geschriebene Randinformationen lesbar. Die Kamerasoftware setzt die Aufnahmen anschließend zu einemeinzigen Bild zusammen. Zur Schonung der Kodizes diene Leuchtstoffröhren als Lichtquelle, die wenig UV-Strahlung und Wärme abgeben. Jede Seite wird in einer 45 Megabyte großen Bilddatei beschrieben, auf CD-Rom archiviert und für das Einstellen ins Internet überarbeiten, zum Beispiel in verschiedene Qualitäten und damit Auflösungen umgerechnet. Die 130000 Seiten werden am Ende des Projekts etwa 5.85 Terabyte an Daten hervorbringen – wer sich darunter nichts vorstellen kann, reihe einfach90000 CDs nebeneinander und untereinander, die Wohnzimmerwand wäre damit gut bedeckt.

Um den Zeitrahmen von vier Jahren einzuhalten, kalkuliert das erfassende Unternehmen Image Engineering aus Frechen jeden Tag mit 136 gescannten und verarbeiteten Seiten, macht 17 Stück je Arbeitsstunde. Die Tätigkeit erfordert höchste Konzentration, und so sitzt kein Mitarbeiter länger als einen halben Tag an Kamera und Computer. Auch Studenten sind beteiligt: Unter der Leitung von Professor Manfred Thaller vom Institut für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarheitung sorgen sie für die internetgerechte Umrechnung der digitalisierten Bilder. Parallel werden umfangreiche Dokumentationen zu den Handschriften im Internet aufgebaut, die eng mit deren Abbildern verbunden werden und auftauchen. sobald das historisierende Foto dargestellt ist.

Das Kölner- Projekt betritt Neuland auch und vor allem dadurch, dass die Handschriften als Ganzes fur den Leser angeboten werden. Ähnliche Projekte gibt es mehrere im Internet, doch haben sie sich bisher fast immer darauf beschränkt, besonders schöne Teile der Handschriften zu zeigen - wie die British Library (http://www.bl.uk), die Königliche Bibliothek in Kopenhagen (http://www.kb.dk/elib/mss/) oder, im Aufbau befindlich, die Universitätsbibliothek Heidelberg (http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digi/welcome.html).

Da beim Kölner Konzept nicht das Darstellen der Handschriften als Objekte künstlerischer Schönheit im Vordergrund steht, sondern das Internet als alltägliches Arbeitsinstrument für den Wissenschaftler verstanden wird, der Zugriff auf das gesamte Material wünscht, bietet das Projekt höchste Bildauflösungen, wie sie bisher nur auf CD-ROM für Ausgaben einzelner Manuskripte verwendet wurden.

Die Handschriften der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln haben in den vergangenen 250 Jahren einige Turbulenzen erlebt. Die ältesten Werke der Sammlung reichen in das 6 Jahrhundert zurück. Weitere Bücher gab der erste Kölner Erzbischof Hildebald (etwa 7S7 bis 818) in Auftrag. Katalogisiert und numeriert wurde der Bestand erstmals 1752 durch den Jesuiten Joseph Harzhein. Im Jahr 1794 näherten sich die französischen Truppen Köln, daher wurde die Bibliothek in ein Kloster bei Arnsberg in Sicherheit gebracht. Von dort gelangte sie zwischen 1812 und 1815 zum Landgrafen von Hessen-Darmstadt und nach einigem Hin und Her 1867 wieder nach Köln zurück Im Zweiten Weltkrieg konnte der Tresor mit den Handschriften den Bombenangriffen trotzen, obwohl das Gebäude währenc der Bombenangriffe 1945 vollständig zerstört wurde. Heute befinden sich die Kodizes gut gesichert im Maternushaus in

Köln.

(Quelle: FAZ/Text:Rüdiger Abele)


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[ Letzte Änderung : 10.10.2001]
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