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Die Restaurierungswerkstatt
 

Die Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek besitzt eine Restaurierungswerkstatt in der zur Zeit ein hauptamtlicher Restaurator tätig ist. In ihr werden nur hauseigene Bestände restauriert.
(Ansprechpartner: Bernd Schäfers, Tel.: 0221/1642/3789,
eMail: Bernd.Schaefers@erzbistum-koeln.de)

  1. Der Restaurator
  2. Die Schäden
  3. Die Restaurierung / Werkstatteinrichtung und Arbeitstechniken
  4. Schmutzraum und Trockenreinigung
  5. Nasszone und Nassreinigung
  6. Fehlendes Papier ergänzen und Risse schließen
  7. Der Hauptarbeitsraum und ein neuer Einband
  8. Metallbearbeitung, Schließen und Beschläge
  9. Labor


Der Restaurator


Die Anforderungen an einen Restaurator mögen andernorts, z. B. beim Restaurieren von Tafelgemälden oder Wandfresken, höher sein, doch sind sie kaum irgendwo vielgestaltiger als bei der Restaurierung alter Bücher. Das hängt mit der Beschaffenheit des Buches zusammen. Ein Buch ist wie kein anderer Kunstgegenstand ein Gebilde, das sich aus den unterschiedlichsten Materialien zusammensetzt. Da ist einmal der Schrift- und Bildträger, der aus Papier oder Pergament sein kann. Aufgetragen sind Tinten, Malfarben oder Druckfarben. Bücher haben Deckel aus Holz oder Pappe, die mit Leder, Pergament, Textilien oder Papier bezogen sein können. Sie können Schließen und Beschläge aus Metall tragen.
Im folgenden ist ein Auszug der Techniken festgehalten die an einem Buch, je nach Zustand, Anwendung finden. Alle Techniken in ihrer ganzen Ausführlichkeit zu beschreiben würde diesen Rahmen sicherlich sprengen und den Leser wohl eher langweilen als informieren.


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Die Schäden


All diese Stoffe haben zum Teil materialspezifische Feinde (Schimmelpilze, Bakterien, Mäuse, Wasser, Luftschadstoffe, etc.), die wiederum die unterschiedlichsten Schäden verursachen. Und obendrein kommunizieren sie noch oft genug dergestalt miteinander, dass an primär gar nicht betroffenen Nachbarmaterialien Folgeschäden entstehen können. Hier ist nun der Buchrestaurator aufgefordert, zu diagnostizieren und zu heilen.

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Die Restaurierung / Werkstatteinrichtung und Arbeitstechniken


Schmutzraum und Trockenreinigung


Die Blätter eines Buches stellen immer eine mehr oder weniger große Masse dar, die beim Zerlegen zu ungeahnten Dimensionen anschwellen kann. Zwar handelt man nach der Devise: "So wenig wie möglich und soviel wie nötig" um das Erscheinungsbild eines Buches eben so wenig wie möglich zu verändern, jedoch kommt man bei der Instandsetzung von Unikaten oft nicht am Zerlegen eines Buches vorbei. Und damit beginnt in der Regel die Arbeit.
Nach der Schadensdiagnose und der schriftlichen Aufnahme des Bandes für einen Restaurierungsbericht werden die "Patienten" im Schmutzraum aufgenommen, gelagert und dann bei Bedarf zerlegt. Da hierbei viel Staub entsteht, arbeitet man auf einem Absaugtisch, da diese Stäube auf Grund ihrer mikrobiologischen Herkunft ge-sundheitsschädlich für Menschen und Material sind.
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Nasszone und Nassreinigung


Chronologisch geht es nun in der Nasszone weiter. Diese besteht aus einer großen Doppelbeckenanlage mit Absaugung, Trockenschränke, ein Anfaserungsgerät, und einer Wasserentsalzung- und anreicherung. Um die Blätter, welche Nassbehandlung vertragen, nicht einzeln behandeln zu müssen, und damit sie nicht regellos in den Becken herumschwimmen, werden sie zwischen Siebrahmen fixiert, die zum Stapel zusammengebaut werden. Dadurch können sie verschiedenen Reinigungs- und Spülvorgängen unterworfen werden ohne sie immer wieder anzufassen. Das schont die Blätter und bewahrt Sie vor weiteren mechanischen Schäden. Im thermostatisch geregelten Wasserkreislauf werden sie zunächst mit entsalztem Wasser gespült, wobei ihnen viel Schmutz entzogen wird. Dieses Wasser liefert eine Ionentauscher-Patrone. Mit Hilfe verschiedener Zusätze kann das Papier von Wasser- und Fettflecken weitestgehend befreit werden. Zwischen jedem Reinigungsgang  werden die Siebstapel mit den Blättern mit Leitungswasser gespült.
Außer der Abzugshaube gibt es im oberen Beckenrand noch eine Randabsaugung. Sie verhindert Geruchsbelästigung und die Entstehung  eines tropisch feuchten Klimas in der Nasszone. Es folgen die Entsäuerung und Pufferung der Blätter. Für Papier eignen sich am besten Erdalkalicarbonate wie Magnesiumcarbonat oder Calciumcarbonat als Puffer. In der Werkstatt der Diözesan- und Dombibliothek wird letzteres bevorzugt. Calciumcarbonat (trivial Kalk) löst sich fast gar nicht in Wasser und ist auch darum nicht auf dem einfachsten Wege in die Blätter einzubringen. Man bedient sich eines Tricks, indem man das Wasser mit Kohlensäure anreichert. Man stellt sich sozusagen Sprudelwasser her. In ihm löst sich nun der "Kalk". Die in diesem so vorbereiteten Wasser eingelegten Blätter reichern sich mehr und mehr mit Calciumcarbonat an. Auf diese Weise werden die Blätter entsäuert und mit einer alkalischen Reserve versehen. Danach werden Sie getrocknet und geglättet.

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Fehlendes Papier ergänzen und Risse schließen


Jetzt erst kann mit der eigentlichen Reparatur der Blätter bzw. mit der Ergänzung der Fehlstellen etc. begonnen werden. Immer sind Art und Ausmaß der jeweiligen Beschädigungen entscheidend für die Wahl der Mittel. Es steht ein Anfaserungsgerät zum Papiergießen und -anfasern zur Verfügung, mit dem Fehlstellen im Papier Ge-Schloßen werden können. Risse im Papier werden mit dünnem aber doch festem Papier(Japanpapier) geschlossen.


Der Hauptarbeitsraum und ein neuer Einband


Der Hauptarbeitsraum enthält alles, was man auch sonst in einer normalen Buchbinderei vorfindet, wie Tische, Pressen, und Schneidemaschinen.
Nachdem nun die Blätter wieder intakt sind, wird der Einband hergerichtet, was vergleichsweise die kürzeste Zeit in Anspruch nimmt. Alte Lederfragmente werden, sofern sie Prägung oder sonstige Verzierung aufweisen, abgelöst und mit neuem Leder unterzogen. Meist sind sie zu geschwächt, um noch funktionelle Aufgaben zu übernehmen. Wenn die alten Deckel noch reparabel sind, werden sie wieder verwandt. Das gleiche gilt für Beschläge und Schließen. Bei allen Instandsetzungsarbeiten, sei es am Buchblock oder Einband, ist es das Bestreben, das Buch funktional und optisch möglichst jenem Zustand anzunähern, in dem es kurz nach seiner Entstehung war. Es wird danach ganz sicher wieder altern und Patina ansetzen - umweltbedingt oft genug viel früher als erwünscht. Selbstredend gibt es Fälle, in denen z. B. Verschmutzungen o. ä. als wichtige Informationsträger erhalten werden müssen. Dies muss vor Beginn aller Arbeiten, die ja immer Eingriffe bedeuten, abgeklärt werden.
Für den Buchrestaurator sind das Studium und die Beherrschung alter und manchmal auch exotischer Bindetechniken wichtig.

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Metallbearbeitung, Schließen und Beschläge


Fast immer gegen Ende einer Restaurierung muss der Buchrestaurator auch noch Gürtlerarbeit verrichten. Der Metallbearbeitungsraum ist mit Uhrmachersäge und Feilen, Hammer und Amboss ausgerüstet, welche die Hauptwerkzeuge zur Ergänzung oder Neuanfertigung von Schließen und Beschlägen sind.
Schließen sind kein Luxus. Sie haben eine wichtige Funktion. Die mittelalterliche Codexform ist die bei weitem haltbarste Einbandart. Durch Ihre Holzdeckel und die Art der Bindung führen diese Bücher Ihre Buchpresse immer mit sich. Das funktioniert allerdings nur, wenn das Buch mit Hilfe der Schließen fest geschlossen werden kann.

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Labor


Den kleinsten Raum in der Werkstatt der Erzbischöflichen Diözesanbibliothek Köln nimmt ein kleines Labor ein. In ihm befindet sich ein feuerfester belüfteter Schrank zur Aufbahrung von Chemikalien, eine Mikrosokopausrüstung, mit der mikroskopische Untersuchungen an Papier möglich sind, sowie einen Absauschrank (Digestorium), in dem zum Beispiel Lösungsmittel gemischt werden können, ohne von deren Dämpfen geschädigt zu werden.


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Bernd Schäfers


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